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Montag, 29. April 2013

Grundsätzlich .... Untergrund #2

In meiner kleinen Reihe über die Untergrundprüfung möchte ich heute über die einfachen Prüfinstrumente sprechen die jeder hat oder problemlos mitnehmen kann. Damit kann man schon eine Menge anfangen und die meisten Untergründe beurteilen.

Die einfachsten Prüfgeräte sind Hand und Auge. Mit der Hand kann man eine Wischprobe machen und feststellen ob der Untergrund kreidet. Man kann mit den Fingernägeln kratzen - springt Farbe ab liegt sicher kein tragfähiger Untergrund vor. Mit dem Auge kann die Rauhigkeit beurteilt werden, man kann Löcher erkennen, Risse und dergleichen mehr.

Ein weiteres, einfaches Prüfinstrument ist die Sprühflasche. Damit kann man den Untergrund einsprühen und schon viel über die Saugfähigkeit des Untergrundes erfahren. Saugt der Untergrund das aufgesprühte Wasser schnell weg? Perlt das Wasser ab? All dies sind wichtige Hinweise.

Zu guter letzt kann man mit einem Taschenmesser, dem Autoschlüssel oder auch einer Geldmünze feststellen ob eine bereits gestrichene Farbe Kunstharzanteile enthält. Wenn sich bei einer Kratzprobe mit diesen Instrumenten ein bleistiftartiger Strich abzeichnet dann sind Kunstharze, sprich Dispersionen im Spiel. Gut zu wissen wenn man beispielsweise bei Fassade oder auch einer Innenwand vor der Frage steht mit welchem Material überarbeitet werden soll.

Dienstag, 23. April 2013

WDVS Details, oder wer hat das geplant

Heute mal wieder mit einem größeren Problem herumgeschlagen. Es ging um die Einbindung einer Beschattungsanlage in ein WDVS. Meine erste Frage auf der Baustelle war: "Was wurde denn geplant?"

Jetzt raten Sie mal was die Antwort war. Genau, hundert Punkte, nix wars mit Planung. Damit wir uns nicht falsch verstehen, ich habe kein Problem damit auf der Baustelle, drei Tage vor Ausführungsbeginn über Detaillösungen zu sprechen - aber der Bauherr. Nur der weiss das bis zur Besprechung noch nicht. Warum werden die Fachleute nicht schon bei Beginn der Planung mit ins Boot geholt? Da kann man über Varianten Diskutieren, über technische Lösungen, über ästhetische Dinge.

Je später man sich jedoch Gedanken über die WDVS Anschlüsse macht desto kleiner wird die Chance, noch etwas Vernünftiges zustande zu bringen. 

Grundsätzlich .... Untergrund #1

Heute möchte ich wieder über die Untergrundprüfung schreiben und welche Prüfwerkzeuge wir benötigen. Das wären in erster Linie Auge, Hand und Hirn.

Diese Drei vernünftig eingesetzt ist schon die halbe Miete. Also, schauen Sie sich den Untergrund genau an, versuchen Sie den ihn mit der Hand zu "erfahren". Den Rest übernimmt dann der Kopf. Und wenn der sagt: "Ich brauch noch ein paar Infos! Dann setzen Sie Ihre "externen" Prüfinstrumente ein. Welche das sein können, diese Frage beantworte ich in meinen nächsten Blogeinträgen. Bleiben Sie dran.

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Typische Mängel an einem WDVS #1

Heute möchte ich mit einer kleinen Reihe von typischen Mängeln bei der Verarbeitung eines Wärmedämmverbundsystemes (WDVS) beginnen. Leider sind alle Photos auf nur einer Baustelle entstanden. Mein herzlicher Dank geht an die Eigentümer des Hauses die mir erlaubt haben, diese Fotos von ihrem Eigenheim zu veröffentlichen.

Hier im Bild ist ein Fehler sehr schön zu erkennen den man schon einen Klassiker nennen kann: Die Überspachtelung der Dübelteller. Wenn im Altbau gedämmt wird muss meistens gedübelt werden. Normaler weise sollten die Dübel versenkt und mit geeigneten Dübelrondellen abgedeckt werden. Wenn dies nicht möglich sein sollte sind die Dübel bündig mit der Oberfläche zu setzen. Da dies in der Praxis nicht immer so gut funktioniert werden die Dübel einfach tiefer gesetzt und die entstandenen Vertiefungen werden mit Armierungsmasse vorgespachtelt. Dabei entstehen später aufgrund der unterschiedliche Materialstärke der Armierungsmasse Risse. Außerdem kann sich später die Dübelung auf der Fassade abzeichnen.

Fehler: Dübel zu tief gestezt
mögliche Schäden: Abzeichnungen, Putzrisse
Besser machen: Dübel versenken und Dübelrondelle einsetzen

Dienstag, 11. Oktober 2011

Bau richtig trocknen

Heute war ich bei einem Neubau, ein größerer Büroneubau. Die ausführende Firma dort berichtete von tropfnassen Betonwänden die sie nun beschichten solle. Klar, das funktioniert nicht und so musste die Kavallerie ausrücken und nach dem Rechten sehen. Große Überraschung als ich dort ankomme, alle Wände sind trocken. Was war passiert?

Zunächst einmal habe ich mir die Temperaturen der letzten Tage angesehen. Die waren eher im Keller, der ganze Bau (teilweise noch offen) kühlte also erst mal ordentlich aus. Dann kam ein Temperatursprung um 10° C. Als ich meine Messungen vornahm stellte sich die Situation dann wie folgt dar:
Raumtemperatur 20,5°C
Wandtemperatur 12,5°C bis 13,5°C
Ermittelte Taupunkttemperatur 14 °C

Aufgrund des Temperaturanstieges außen wurde warme Luft ins Gebäudeinnere transportiert. Da sich die Betonwände nicht so schnell aufheizen wie die Raumluft schlug sich an den kalten Wänden die Feuchtigkeit  nieder. Als ich heute mittag dort ankam war der Spuk wieder vorbei, die Wände hatten sich leicht erwärmt, gerade genug um nicht weiter feucht zu werden.

Aufgrund der vielen unverschlossenen Öffnungen des Gebäudes ist weder eine effektive Heizung möglich, noch würde es etwas bringen hier Bautrockner aufzustellen. Mein Rat war also, während der nächsten Tage (mit angekündigten hohen Temperaturen tagsüber von 15°C bis 20°C) gut zu lüften und am Abend möglichst viele Öffnungen zu schließen. Dadurch kann auch die Bauteiltemperatur in den nächsten Tagen erhöht werden. Und möglicherweise werden die letzten Löcher ja bald gestopft und es kann geheizt werden.

So, nach getaner Arbeit gönnte ich mir in meiner Mittagspause noch einen leckeren Cappucino im Freien, vielleicht das letzte Mal in diesem Jahr.

Fazit auch für private Bauherren: Gerade in der Übergangszeit wie jetzt oder auch im Frühjahr (kalter Rohbau nach dem Winter) möglichst bald kontrollierbare Bedingungen herstellen. Fenster und Türen einbauen.

Montag, 14. Februar 2011

Übersicht Wärmedämmverbundsysteme (WDVS)

Zur allgemeinen Übersicht hier mal ein Artikel den ich auch schon im Bauexpertenforum veröffentlicht habe.

Primärer Zweck eines WDVS ist die Einsparung von Heizenergie. Daneben kommen aber noch der Schutz des Mauerwerkes sowie die Gestaltung der Hausfassade. Der Aufbau eines WDVS ist immer der Gleiche:

1. Anbringen der Dämmplatten
2. Armierung der Fassadenflächen
3. Oberputz (Deckputz), evtl. mit zusätzlichem Farbanstrich.

Vielfalt der Wärmedämmverbundsysteme (WDVS)

Auf dem Markt befindet sich eine schwer überschaubare Anzahl an Systemen, über 100 Hersteller wollen in Deutschland ihre Produkte an den Kunden bringen. Grundsätzlich lassen sich die WDVS nach ihren Dämmstoffen unterscheiden.

Der am häufigsten verwendete Dämmstoff sind Polystyrol-Hartschaumplatten, bekannt unter dem Markennamen Styropor (Die Markenrechte wurden vom Hersteller BASF auf den Fachverband WDVS übertragen).

Daneben wird auch nach den Klebe- und Armierungsmassen (mineralisch und organisch) sowie dem Oberputz (Kalk- Zement, Silikat, Silicon, Kunstharz) unterschieden.

Verarbeitung von Wärmedämmverbundsystemen (WDVS)

Die Verarbeitung der einzelnen Komponenten in den einzelnen Schritten:

1. Die Dämmplatten werden nur geklebt oder geklebt und anschließend zusätzlich verdübelt. Alternativ kommt bei schlecht tragfähigen und ungleichmäßigen Untergründen eine Schienenbefestigung zum Einsatz. In Ausnahmefällen können die Platten auch nur durch Dübelung befestigt werden. Dies ist bei sehr unebenen Untergründen erforderlich. Anschließend werden die Dämmplatten noch geschliffen um eine glatte Oberfläche zu erzielen. Alle Anschlüsse werden schlagregendicht ausgeführt (Vorkomprimierte, bituminierte Dehnfugenbänder, spezielle Anputzleisten).
Polystyrol-Hartschaum gilt bis zu einer Dämmstoffstärke von 10 cm als „schwer entflammbar (B 1)“, darüber als „normal entflammbar (B 2)“. Um Dämmstoffstärken über 10 cm „schwer entflammbar“ auszurüsten werden sog. Brandriegel oder Brandgurte aus Mineralwolle eingebaut.

2. Danach folgt die Armierung. Zunächst erhalten alle Gebäudeecken und Ecken von Gebäudeöffnungen einen zusätzlichen Kantenschutz, Danach wird ein spezielles Armierungsgewebe mit dem Armierungsmörtel eingespachtelt. Armierungsmörtel können zementös gebunden sein (mineralische Armierung) oder durch Acrylharze (organische Armierung, häufig durch Siliconharzbeigabe diffusionsoptimiert)

3. Danach wird, je nach System, noch ein Zwischenanstrich mit Putzgrundierung aufgebracht und anschließend die Fassade verputzt. Dies kann mit weißem oder getöntem Putz erfolgen. Mineralische getönte Putze benötigen noch einen Egalisierungsanstrich.

Zusätzlich erhalten spritzwassergefährdete und erdberührte Bereiche noch einen zusätzlichen Schutzanstrich der die Wasseraufnahme ins System verhindert.

Zulassung von Wärmedämmverbundsystemen (WDVS)

Alle in Deutschland verwendeten WDVS benötigen eine bauaufsichtliche Zulassung des Deutschen Institut für Bautechnik. Alle Systemkomponenten müssen von einem Hersteller geliefert werden und der selben Zulassungsnummer entsprechen.
Für die Dimensionierung der Dämmstoffstärke empfiehlt sich eine Berechnung durch den Fachmann (Energieberater, Architekt), der in diesem Zug auch eine Tauwasserausfallberechnung (z.B. im Glaserverfahren) durchführen sollte. Neben einer ordentlichen Ausführung durch den Handwerker sicher die beste Möglichkeit, Folgeschäden zu vermeiden.

Übersicht Dämmstoffe:

Polystyrol-Hartschaumplatten(EPS, XPS)
günstig, gute Verarbeitung mit Schneidegerät, schleifbar, Wärmeleitgruppen 040, 035, 032

Polyurethanplatten (PUR)
teuer, schleifbar, Wärmeleitgruppe 028

Mineralwolleplatten, Steinlamelle
teuer, nicht brennbar, Wärmeleitgruppe 042, 040, 035

Mineralschaumplatten
teuer, nicht brennbar, schleifbar, Wärmeleitgruppe 045

Resol-Hartschaumplatten
sehr teuer, gesundheitsgefährdend bei Verarbeitung, nicht schleifbar, Wärmeleitgruppe 022

Korkplatten und weitere nachwachsende Dämmstoffe wie z.B. Schilf, meist teuer, teils schlechte Verarbeitung, verschiedene Wärmeleitgruppen nach Material und Hersteller


Übersicht Armierungsmörtel:

Zementgebunden (mineralisch) günstiger Materialpreis, gute Verarbeitung auch maschinell, ca. 5 kg/m² mittlere Schlagfestigkeit,

Kunstharzgebunden (organisch) höherer Materialpreis, Verarbeitung auch maschinell, ca. 3,5 kg/m² hohe Schlagfestigkeit

Kunstharzgebunden mit speziellen Zusätzen (Carbonfasern) hoher Materialpreis, Verarbeitung auch maschinell, ca. 3,5 kg/m² hohe Schlagfestigkeit


Übersicht Putze:

zementös gebundene Putze günstiger Materialpreis, gute Verarbeitung auch maschinell, eingeschränkte Farbtonauswahl Egalisierungsanstrich erforderlich

Silikatputze mittlerer Materialpreis, gute Verarbeitung auch maschinell, eingeschränkte Farbtonauswahl Egalisierungsanstrich vorteilhaft

Kunstharzputze mittlerer Materialpreis, gute Verarbeitung auch maschinell, hohe Farbtonvielfalt Egalisierungsanstrich kann entfallen, Algizidzusatz möglich

Siliconharzputze höherer Materialpreis, gute Verarbeitung auch maschinell, eingeschränkte Farbtonauswahl Egalisierungsanstrich kann entfallen, Algizidzusatz möglich

Die Auswahl der Produkte, bzw. des eingesetzten Systems richtet sich nach den Gegebenheiten vor Ort. So ist beispielsweise ein Siliconharzputz sinnvoll, wo ein hohes Algenwachstum zu erwarten ist (saubere Luft, Gras, Bäume und Büsche in näherer Umgebung). In innerstädtischen Bereichen ist ein Silikatputz sinnvoll, da dieser aufgrund spezieller Eigenschaften (Edelkreidung) selbstreinigend wirkt.

Für alle Arten von Anschlüssen an Fenster Türen usw. gibt es spezielle Dichtbänder oder Anputzleisten. Während die Dichtbänder universell eingebaut werden können liegen die Vorteile der Anputzleisten in einer sauberen und ästhetisch anspruchsvollen Verarbeitung.

WDVS Verarbeitung

Für die Verarbeitung eines WDVS sollte ein versierter Fachbetrieb beauftragt werden. Die Dämmstoffstärke sollte in Abstimmung mit den Zielen des Bauherrn (EnEV Mindeststandard, KFW Förderung, sonstige Förderungen) bzw. den gesetzlichen Vorgaben berechnet werden. Anschlussdetails müssen sorgfältig geplant werden. dazu gehören Anschlüsse an Dächer, Fenster, Türen und der Sockelbereich. Ferner sollten Befestigungsmöglichkeiten für Fensterläden, Geländer, Markisen usw. berücksichtigt werden.

Zu guter Letzt gilt es, Materialstruktur und die Farbtöne auszuwählen. Generell gilt eine Untergrenze des Hellbezugswertes von 20. Allerdings machen einige Materialhersteller Ausnahmen und erlauben, unter Einhaltung gewisser Vorgaben, auch dunklere Farbtöne.

Montag, 10. Januar 2011

Stucco Veneziano im Bad

Hier mal ein Beitrag zu einem ganz anderen Thema. Ich möchte dazu anmerken, das der Umgangston im Bauexpertenforum manchmal etwas ruppig, aber doch meistens auch  herzlich ist. Aber wie überall gilt auch dort: Es gibt keine dumme Fragen, nur dumme Antworten.

Hallo lieber Fassadendoktor :o),
 
schon seit einiger Zeit lese ich fleißig im Bauexpertenforum, habe von deinen kompetenten Kommentaren schon jede Menge gelernt,  traue mich aber nicht, dort eine Frage zu stellen, da ich dann  ganz sicher sofort Schimpfe bekommen würde   :o(  Und dann bin ich auf dein Blog gestoßen...
 
Mein Problem: Ich möchte in nächster Zeit mein Badezimmer umgestalten und die alten Fliesen  (Haus Baujahr 1956) erst mit Fliesenkleber,  dann mit  Stucco veneziano (auf mineralischer Basis) überspachteln.  Unklar ist mir, ob ich diese Technik auch in Spritzwasserbereichen verwenden  darf?!  Der Mensch, bei dem ich ein entsprechendes Seminar besucht habe, behauptet, dass das geht, wenn man die Oberfläche nach dem Verpressen 3x wachst … im Internet liest man dagegen, dass im Spritzwasserbereich nur Tadelakt möglich ist. Hast du entsprechende Erfahrungen?
 
Fliesen (als Rechteck  angeordnet) fände ich stilistisch nicht so passend, und weißer Bruchmarmor  (unregelmäßig in Bögen verlegt, auch rund um die Dusche auf den Fußboden auslaufend und an die ebenfalls in Bögen verlegten Bodenfliesen anstoßend) würde mir unheimlich gut gefallen, ist aber bei sehr kalkhaltigem Wasser wahrscheinlich trotz Versiegelung nicht gerade pflegeleicht?! Ich weiß, das ist nicht dein Gebiet, aber vielleicht hast du trotzdem eine Idee?
 
Ganz lieben Dank im voraus für deine Hilfe!
Christina

Donnerstag, 6. Januar 2011

BAU.DE > Bauforum (Baufragen und Bautips)

BAU.DE > Bauforum (Baufragen und Bautips):

Stellt sich die Frage, wann eine Fassade überhaupt "schwer entflammbar B1" ausgerüstet sein muss.

Geregelt ist dies in den jeweiligen Landesbauordnungen (LBO) der Bundesländer. Dort steht sinngemäß das je nach Gebäudekategorie verschiedene Anforderungen hinsichtlich des Brandschutzes gestellt werden. In Bayern fallen Häuser bis zu einer Gebäudehöhe von 7,00 Metern (gemessen von Geländeoberkante bis zur Oberkante fertiger Fußboden des obersten begehbaren oder ausbaubaren Geschoßes) in eine Kategorie nach der an die Fassade keine besonderen Anforderungen an den Brandschutz gestellt werden, der Aufbau der Fassade muss also nur "normal entflammbar B2" nach DIN 4102 entsprechen. Dies erfüllen alle WDVS, auch mit Dämmstoff Polystyrol-Hartschaum (EPS). Hier finden Sie eine Einteilung der Brandschutzklassen.

Bei anderen Gebäudekategorien muss die Fassade unter Umständen aber "schwer entflammbar B1" ausgerüstet sein. "Automatisch" sind dies WDVS mit Dämmstoffen wie Mineralwolle oder Mineralschaum. EPS gilt als "schwer entflammbar B2" bei Dämmstoffstärken bis 10 cm, oder auch darüber wenn spezielle Maßnahmen wie beispielsweise ein umlaufender Brandgurt berücksichtigt werden. Wurde eine Fassade aus Brandschutzgründen als "schwer entflammbar B2" ausgeführt, darf dieser Status auch durch Nacharbeiten oder Ausbesserungen nicht aufgehoben werden. In diesem Fall würde also auch ein geprüfter Bauschaum der als "schwer entflammbar B2" deklariert wurde zur Anwendung kommen.

Natürlich gibt es auch noch Fassaden die "nicht brennbar A1 oder A2" ausgerüstet sein müssen, dies sind aber in der Regel Gebäude die die Hochhausgrenze überschreiten oder aufgrund anderer Merkmale so eingestuft wurden.

Dienstag, 28. Dezember 2010

... und immer noch Schimmel

So also sieht er aus, der Schimmel, hier fotografiert in einer Fliesenfuge in meiner Duschkabine. Hat ein bisschen gebraucht, bis er so schön gewachsen war. Mittlerweile habe ich ihn natürlich beseitigt.

Wie ich weiter unten schon beschrieben habe benötigt der Schimmelpilz nicht viel mehr als etwas Nährstoffe und Wasser. Woher das Wasser kommt ist ja klar, aber wie siet es denn mit Nährstoffen in so einer Fliesenfuge aus? Wahrscheinlich hat die beste Ehefrau von allen mal mit Essig gereinigt der sich in Verbindung mit alkalischen Stoffen (Kalk!) neutralisiert und zugleich noch ein paar Nahrungsmittel für den Schimmel mitbringt. Jetzt fragen Sie sich natürlich, womit man denn richtigerweise reinigen soll, denn eins ist klar: Vermeiden können wir die Feuchtigkeit in einer Duschkabine nicht.

Dazu sollte man wissen, das mit Schimmelsporen nicht zu spaßen ist. Sie können Krankheiten und Allergien auslösen. Deswegen sollten Sie folgendes beachten:

Bearbeiten Sie selbst keine befallene Flächen die größer als ein halber Quadratmeter sind. Hier sind Fachleute erforderlich die über entsprechende Ausbildung und Schutzausrüstung verfügen. Kleinere Flächen können mit 70 - 80%igen Ethylakohol (Spiritus) desinfiziert werden (während der Behandlung gründlich lüften, maximal 100 ml pro Arbeitsgang). Anschließend die befallenen Flächen gründlich nass reinigen. Berühren Sie die Schimmelpilze nicht (Handschuhe) und tragen Sie möglichst einen Mundschutz. Nach Beendigung der Sanierungsarbeiten duschen und Kleider waschen. Natürlich können Sie auch gestrichene Wandflächen desinfizieren und reinigen. Hinterher können Sie mit einer Schimmelschutzfarbe streichen.

Größere Flächen oder auch schwer zu reinigende Flächen (Teppich, Möbel, Tapeten) überlassen Sie dem Fachmann. Gewerbliche Firmen die sich mit Schimmelschutz auskennen finden Sie in den einschlägigen Verzeichnissen.

Sehr ausführlich ist das Ganze in zwei Broschüren des Bundesumweltministeriums. Einmal der etwas umfangreichere Schimmelleitfaden sowie die Broschüre Hilfe! Schimmel im Haus

Tja, so ist das mit den Politikern - mit Geld können Sie nicht umgehen, aber vom Schimmel, da verstehen sie was.

Samstag, 4. Dezember 2010

Schimmel in Wohnräumen - die schwarze Gefahr?

Immer wieder bekomme ich Anfragen zum Thema Schimmel. Wo kommt Schimmel her? Was kann man gegen Schimmel tun? Ist Schimmel gesundheitsgefährdend? Im heutigen Blog möchte ich auf solche Fragen eingehen und uns erst einmal einen Überblick über das Thema verschaffen.

Schimmelsporen sind in unserer Umgebungsluft allgegenwärtig. Die Sporen haben eine erstaunlich lange Lebensdauer und sind bei Abwesenheit von Wasser inaktiv. Können sich jedoch Schimmelsporen z.B. an feuchten Bauteilen niederlassen beginnt die Vermehrung. Da stellt sich natürlich die Frage, wo denn die Feuchtigkeit herkommen kann. Die Antwort fällt leicht, nämlich meistens aus der Raumluft. Allerdings kommen auch andere Quellen in Betracht, wie z.B. durchfeuchtete  Außenwände oder Wasserflecken durch Rohrbruch oder andere baulichen Unzulänglichkeiten.

Wie kommt das Wasser aus der Raumluft, die sogenannte Luftfeuchtigkeit oder Luftfeuchte aber ans Bauteil? Dazu muss man wissen, das unsere Luft umso mehr Wasser speichern kann, je wärmer sie ist. Wenn Luft abkühlt muss sie Wasser abgeben. Dieses Wasser kondensiert in der Luft (Nebel) oder an kälteren Flächen. Denken Sie an Ihr Auto das im Freien steht. Wenn nachts die Luft abkühlt verliert sie Wasser. Dieses Wasser schlägt sich auf ihrer Windschutzscheibe nieder und diese ist am Morgen mit vielen kleinen Tautropfen überzogen. Ähnlich ist es mit dem feuchten Gras in Ihrem Garten. Aber auch im Hausinneren können wir dieses Phänomen beobachten. Nehmen Sie im Sommer eine schöne kühle Flasche Bier aus dem Kühlschrank (oder jedes andere Getränk) und stellen dieses auf den Küchentisch. Schon bald bilden sich Tautropfen auf der kalten Oberfläche.

Was ist da passiert?

Ganz einfach, die warme Umgebungsluft kühlt sich an der kalten Flasche ab und muss Wasser abgeben. Dieser Wasserüberschusss aus der Raumluft schlägt sich als Kondensat auf der Flasche nieder. Genau das Gleiche passiert auch an sogenannten Wärmebrücken.

Und was ist eine Wärmebrücke?

Eine Wärmebrücke ist eine bauliche Unzulänglichkeit über die Wärmeenergie durch ein Bauteil hindurch abfließen kann. Es wird also ein Wärmestrom vom höheren Potential (Wärme) zum niedrigeren Potential (Kälte) erzeugt. Wegen des Wämestromes spricht man auch von Wärmebrücken und nicht von Kältebrücken.
Beispielsweise wurden früher Betondecken und Balkone in einem Stück betoniert. Da das Mauerwerk schon eine halbwegs vernünftige Wärmedämmung besitzt wirkt nun diese Betondecke als Wärmebrücke. Das nennt man dann eine stoffbedingte Wärmebrücke. Daneben gibt es noch geometrische Wärmebrücken. So besitzt ein Wand an ihrer Ecke eine größere Fläche außen als innen. Besonders zu erwähnen sind noch die sogenannten konvektiven Wärmebrücken die durch falsches Lüftungsverhalten der Wohnungsbenützer entstehen.

Im nächsten Blog gehe ich etwas in die Tiefe und werde auch erklärende Fotos und Zeichnungen einfügen.

Sonntag, 21. November 2010

Der richtige Putz für die Fassade

Immer wieder wird die Frage gestellt nach dem richtigen Putz. Dazu kann man nur sagen das es diesen nicht gibt. Der Ober- oder Dekorputz der Fassade sollte je nach Anforderung ausgesucht werden. Dazu muss man sich mit den Eigenschaften der jeweiligen Putzarten beschäftigen. Grundsätzlich werden Putze nach ihrem Bindemittel unterteilt in mineralische und organische Putze. Hier noch eine Übersicht aller mineralischen Putze nach DIN 18 550



Die mineralischen Außenputze sind in der Regel Kalk-Zement Putze, in seltenen Fällen (z.B. Sockelputze) auch reine Zementputze. Dazu gehören aber auch Silikatputze. Die organischen Putze lassen sich aufteilen in Reinacrylate und Siliconharzputze. Lassen Sie uns einmal die verschiedenen Eigenschaften der der einzelnen Putzarten näher betrachten:

Kalk-Zement Putze
+ + günstig
+ + manuell und maschinell zu verarbeiten
+ + sehr gute Diffusionseigenschaften
 - - hohe Wasseraufnahme
 - - benötigen Egalisierungsanstrich
 - - geringe mechanische Wiederstandsfähigkeit


Silikatputze
+ - mittlerer Preis
+ + manuell und maschinell zu verarbeiten
+ + sehr gute Diffusionseigenschaften
+ - eher geringe Wasseraufnahme
 - -  benötigen Egalisierungsanstrich
 - + mittlere mechanische Wiederstandsfähigkeit

Acrylharzputz (Dispersionsputz)
+ - mittlerer Preis
+ + manuell und maschinell zu verarbeiten
+ - gute Diffusionseigenschaften
+ + geringe Wasseraufnahme
+ + benötigen keinen Egalisierungsanstrich
+ + sehr hohe mechanische Wiederstandsfähigkeit

Siliconharzputz
 - -  hoher Preis
+ + manuell und maschinell zu verarbeiten
+ + sehr gute Diffusionseigenschaften
+ + geringe Wasseraufnahme
+ + benötigen keinen Egalisierungsanstrich
+ + sehr hohe mechanische Wiederstandsfähigkeit

Selbstverständlich müssen diese Eigenschaften auch bewertet werden. So ist beispielsweise das Wasserdampfdiffusionsvermögen bei den Acrylharzputzen geringer als bei allen anderen Putzarten, jedoch spielt das in der Regel keine Rolle (entgegen landläufiger Meinung!).  Dagegen sind sie sehr widerstandsfähig gegen mechanische Beeinflussung, also Kratz- oder Stoßeinwirkung.  Dagegen sind Kalk-Zementputze konkurrenzlos billig wenn man den Materialpreis betrachtet, etwas anders sieht der Quadratmeterpreis aus weil man ja auf jeden Fall einen Egalisierungsanstrich benötigt.

Den aktuellen Stand der Technik repräsentieren zweifellos Siliconharzputze die bei geringster Wasseraufnahme die besten Diffusionswerte liefern. Daneben sind sie, ähnlich wie die Acrylharzputze, mechanisch sehr widerstandsfähig. Leider sind Siliconharzputze auch sehr teuer, was sich aber durch den möglichen Wegfall eines Egalisierungsanstriches auch relativieren kann.

Donnerstag, 11. November 2010

Fassade aufbereiten - Bauexpertenforum

Fassade aufbereiten - Bauexpertenforum:

Tja, was soll man zu so einer Fassade sagen. Offensichtlich handelt es sich um ein schlecht geklebtes WDVS. Sogar die Fugen der Dämmplatten zeichnen sich ab. Dieser Effekt entsteht, wenn die Platten unregelmäßig verklebt werden. Dann sind Fugen zwischen den Platten unausweichlich. So lange noch nicht armiert wurde kann man diese Fugen mit Dämmstoffstreifen oder einem geeigneten Füllschaum verschließen. Oft wird aber die Armierung darüber geschmiert - sieht ja keiner. Später hat man hier eine tolle Wärmebrücke.

An der im Bild gezeigten Fassade sieht man den dann eintretenden Effekt sehr gut. In der Fläche ist die Fassade gut gedämmt, dadurch wird leider auch das Algenwachstum beschleunigt (warum das so ist beschreibe ich in den nächsten Beiträgen). Über die Fugen wird die Fassadenoberfläche jedoch praktisch beheizt. Dadurch ist hier das Algenwachstum eingeschränkt und die Fugen zeichnen sich an der Putzoberfläche heller ab. Auch über Putzqualitäten werden wir noch zu reden haben.

Montag, 8. November 2010

Wer hat die Dickste - oder warum man die Wärmedämmung berechnen sollte

Immer wieder höre ich davon,das Dämmstoffstärken eines WDVS pauschal bestimmt werden (10 cm gehen immer!). Das ist aber nicht richtig. Vielmehr sollte die Dämstoffstärke berechnet werden. Dazu sind mehrere Parameter zu berücksichtigen. Zuerst muss der Ist-Zustand eines Gebäudes ermittelt werden. Dann wird der Soll-Zustand festgelegt. Dieser ist wiederum von mehreren Dingen abhängig:
  • welcher U-Wert soll erzielt werden?
  • sollen Fördermittel beantragt werden?
  • stimmen bauphysikalische Eckdaten?
Also sollte sich ein Bauherr erst einmal eine Berechnung des Ist-Zustandes (also noch ohne WDVS)erstellen lassen. Dies macht in der Regel ein spezialisierter Architekt oder ein Energieberater. Dann sollte man sich über die Rahmenbedingungen von Fördergeldern schlau machen. Es gibt verschiedene Programme, z.B. von der KfW mit unterschiedlichen Richtwerten. Auch Bund und Länder (z.B. LfA Bayern) legen immer wieder Programme auf.

Von entscheidender Bedeutung ist aber auch eine bauphysikalische Berechnung, beispielsweise ein Glaser-Diagramm. Hier wird rechnerisch nachgewiesen, ob sich evtl. Tauwasser im Wandaufbau niederschlägt oder nicht. Tauwasser im Wandaufbau des  wäre schädlich da es hier zu Wärmeverlusten und evtl. Schimmelbildung kommen könnte. Im Bild oben sieht man übrigens die schematische Darstellung eines einwandfreien Wandaufbaues. Da sich Temperaturverlauf und Taupunkttemperaturkuve nicht schneiden kommt es zu keiner Tauwasserbildung im Wandaufbau.