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Dienstag, 11. Oktober 2011

Bau richtig trocknen

Heute war ich bei einem Neubau, ein größerer Büroneubau. Die ausführende Firma dort berichtete von tropfnassen Betonwänden die sie nun beschichten solle. Klar, das funktioniert nicht und so musste die Kavallerie ausrücken und nach dem Rechten sehen. Große Überraschung als ich dort ankomme, alle Wände sind trocken. Was war passiert?

Zunächst einmal habe ich mir die Temperaturen der letzten Tage angesehen. Die waren eher im Keller, der ganze Bau (teilweise noch offen) kühlte also erst mal ordentlich aus. Dann kam ein Temperatursprung um 10° C. Als ich meine Messungen vornahm stellte sich die Situation dann wie folgt dar:
Raumtemperatur 20,5°C
Wandtemperatur 12,5°C bis 13,5°C
Ermittelte Taupunkttemperatur 14 °C

Aufgrund des Temperaturanstieges außen wurde warme Luft ins Gebäudeinnere transportiert. Da sich die Betonwände nicht so schnell aufheizen wie die Raumluft schlug sich an den kalten Wänden die Feuchtigkeit  nieder. Als ich heute mittag dort ankam war der Spuk wieder vorbei, die Wände hatten sich leicht erwärmt, gerade genug um nicht weiter feucht zu werden.

Aufgrund der vielen unverschlossenen Öffnungen des Gebäudes ist weder eine effektive Heizung möglich, noch würde es etwas bringen hier Bautrockner aufzustellen. Mein Rat war also, während der nächsten Tage (mit angekündigten hohen Temperaturen tagsüber von 15°C bis 20°C) gut zu lüften und am Abend möglichst viele Öffnungen zu schließen. Dadurch kann auch die Bauteiltemperatur in den nächsten Tagen erhöht werden. Und möglicherweise werden die letzten Löcher ja bald gestopft und es kann geheizt werden.

So, nach getaner Arbeit gönnte ich mir in meiner Mittagspause noch einen leckeren Cappucino im Freien, vielleicht das letzte Mal in diesem Jahr.

Fazit auch für private Bauherren: Gerade in der Übergangszeit wie jetzt oder auch im Frühjahr (kalter Rohbau nach dem Winter) möglichst bald kontrollierbare Bedingungen herstellen. Fenster und Türen einbauen.

Dienstag, 1. Februar 2011

Schimmel ganz konkret und aktuell

Gestern war ich bei einem Bekannten der in einem Zimmer an der Ostseite seiner Mietwohnung auch schon länger mit Schimmelbildung herum laboriert. Ich bin also hin und habe mir besagtes Zimmer angesehen und mal das Messgerät reingehalten. Interessant waren weniger die Messwerte an sich, die hatte ich erwartet. Bei einer Außentemperatur von -5° C hatten die klassischen Bereiche (Gebäudeecke über dem Fußboden und unter der Decke nur 10° - 12° C Oberflächentemperatur).

Im Zimmer war es mit 18° C gar nicht so kalt und die Taupunkttemperatur wurde mir bei einer rel. Luftfeuchte von um die 60% auch mit knapp 10° C angegeben. Da geht der Feuchtigkeitsniederschlag los, keine Frage. Was passiert aber, wenn, wie in der letzten Zeit die Außentemperaturen höher sind? Dann müsste auch die Ecke wärmer sein und es sollte keine Probleme geben. Die Antwort ist aber relativ einfach.

Wenn man die Raumtemperatur und die Luftfeuchte in der Nähe der Ecke misst stellt man fest, das dort die Temperaturen viel niedriger und die rel. Luftfeuchte deutlich höher ist. Demzufolge sinkt dort auch der Taupunkt ab. Als ich die Messung durchführte lag dieser bei knapp über 6° C. Als mich dann die Dame des Hauses noch fragte, ob es eine Rolle spielen würde das sie in diesem Zimmer bügeln würde war mir klar was passiert.

Hier wurde zumindest temporär die Luftfeuchte auch noch deutlich erhöht. Neben dem Wasser das ein Dampfbügeleisen emittiert verdunstet auch noch einiges an Wasser aus der unter dem Bügeleisen trocknenden Wäsche. Ich schätze mal, das hier durchaus ein halber Liter Wasser in die Raumluft verdampft. Da es sich hier um ein kleineres Zimmer handelt (Grundfläche vielleicht 12 m²) steigt dadurch die Luftfeuchte immer wieder signifikant an.

Die Lösung liegt also auf der Hand. Um weitere Schimmelbildung zu vermeiden ist es nötig, weiterhin zu heizen und neben der normalen Stoßlüftung auch nach dem Bügeln zusätzlich zu lüften. Zum großen Teil ist natürlich auch die schlecht dämmende Außenwand schuld an der Situation (der Vermieter wohnt in der Wohnung unterhalb und hat die gleichen Probleme). Ein WDVS würde hier eine deutliche Verbesserung der Situation herbeiführen.

Samstag, 29. Januar 2011

Der Dauerbrenner - atmende Wände

Ob Max von Pettenkofer geahnt hat was er da 1850 angestellt hat? Jedenfalls klagte sein oberster Dienstherr, König Max II über unbefriedigende raumklimatische Verhältnisse in der königlichen Residenz. Aufgrund seiner vorhergehenden Untersuchungen zur Ausbreitung von Seuchen wie beispielsweise Cholera und empirischen Versuchen zur Luftwechselrate der bewohnten Zimmer kam Pettenkofer zu dem Schluss, das ein nicht unerheblicher Luftaustausch durch das Mauerwerk stattfinden müsste.

Also führte Pettenkofer, ein Mann der Tat, folgenden Versuch durch und zeigte diesen auch bei seinen Vorlesungen: Ein zylindrisches Stück Luftkalkmörtel wurde ringsherum mit Wachs abgedichtet. Auf die unbehandelten Stirnflächen wurde jeweils ein Trichter aufgesetzt. Pettenkofer blies in den einen Trichter und siehe da, eine am anderen Trichter aufgestellte Kerze konnte ausgeblasen werden.


Wer heute diesen Versuch nachstellt wird sehr schnell merken das es durchaus möglich ist eine Kerze durch das Werkstück hindurch auszublasen. Allerdings ist der dabei aufgewendete Druck mehrere hundert mal höher als der an Außenwänden auftretende Staudruck. Pettenkofer selber hat übrigens den Begriff "atmende Wände" selber nie verwendet sondern sprach von natürlicher oder freiwilliger Ventilation.
Weitere Infos über Max von Pettenkofer
Lesenswertes Buch von Helmut Künzel: Bauphysik Geschichte und Geschichten, erschienen im Fraunhofer IRB Verlag

Montag, 10. Januar 2011

Stucco Veneziano im Bad

Hier mal ein Beitrag zu einem ganz anderen Thema. Ich möchte dazu anmerken, das der Umgangston im Bauexpertenforum manchmal etwas ruppig, aber doch meistens auch  herzlich ist. Aber wie überall gilt auch dort: Es gibt keine dumme Fragen, nur dumme Antworten.

Hallo lieber Fassadendoktor :o),
 
schon seit einiger Zeit lese ich fleißig im Bauexpertenforum, habe von deinen kompetenten Kommentaren schon jede Menge gelernt,  traue mich aber nicht, dort eine Frage zu stellen, da ich dann  ganz sicher sofort Schimpfe bekommen würde   :o(  Und dann bin ich auf dein Blog gestoßen...
 
Mein Problem: Ich möchte in nächster Zeit mein Badezimmer umgestalten und die alten Fliesen  (Haus Baujahr 1956) erst mit Fliesenkleber,  dann mit  Stucco veneziano (auf mineralischer Basis) überspachteln.  Unklar ist mir, ob ich diese Technik auch in Spritzwasserbereichen verwenden  darf?!  Der Mensch, bei dem ich ein entsprechendes Seminar besucht habe, behauptet, dass das geht, wenn man die Oberfläche nach dem Verpressen 3x wachst … im Internet liest man dagegen, dass im Spritzwasserbereich nur Tadelakt möglich ist. Hast du entsprechende Erfahrungen?
 
Fliesen (als Rechteck  angeordnet) fände ich stilistisch nicht so passend, und weißer Bruchmarmor  (unregelmäßig in Bögen verlegt, auch rund um die Dusche auf den Fußboden auslaufend und an die ebenfalls in Bögen verlegten Bodenfliesen anstoßend) würde mir unheimlich gut gefallen, ist aber bei sehr kalkhaltigem Wasser wahrscheinlich trotz Versiegelung nicht gerade pflegeleicht?! Ich weiß, das ist nicht dein Gebiet, aber vielleicht hast du trotzdem eine Idee?
 
Ganz lieben Dank im voraus für deine Hilfe!
Christina

Mittwoch, 10. November 2010

Planung der Malerarbeiten im Holzständerhaus (EL) - Bauexpertenforum

Planung der Malerarbeiten im Holzständerhaus (EL) - Bauexpertenforum: "- Mit Google Toolbar gesendet"

Hat jetzt weniger mit dem ursprünglichen Thema hier zu tun, es geht um die Begrifflichkeit. Immer wieder lese ich in Forenbeiträgen das "gemalert" wird. Ein Begriff der mich einfach stört. Entweder wird gemalt, dann ist aber eher der Kunstmaler gemeint, oder es wird gestrichen, gerollt, oder wenn es ein Fremdwort sein soll, appliziert. Maurer maurern nicht, Friseure friseuren nicht und Maler malern nicht.

Und das musste auch mal gesagt sein.